79 Wildbienenarten mitten im Dorf

März 10, 2026 | Projekte

Wildbienen gelten als Bewohner von Waldrändern, Magerwiesen und Trockenstandorten. Eine Kartierung im Bassersdorfer Siedlungsraum zeigt: Sie leben längst mitten im Dorf — und zwar in bemerkenswerter Vielfalt.

Was untersucht wurde

Zwischen April und September 2023 erhob Jürg Sommerhalder, NBN-Mitglied und Wildbienenspezialist, ein Wildbieneninventar für den Bassersdorfer Siedlungsraum. Der NBN hatte das Projekt bei der Gemeinde Bassersdorf angestossen und sich hälftig an den Kosten beteiligt.

Die Untersuchung beschränkte sich bewusst nicht auf einige wenige kommunale Schutzobjekte. Einbezogen wurden öffentliche Flächen aller Art, private Rabatten und Hecken — und sieben Trittsteingärten, deren Besitzerinnen und Besitzer zur Kartierung des Garteninneren eingeladen hatten.

Die Ergebnisse

  • 16 Begehungen mit insgesamt 639 Wildbienenfunden
  • 79 Arten konnten bestimmt werden
  • 16 davon gelten gemäss Roter Liste der Wildbienen der Schweiz (1994) als gefährdet
  • eine Art wurde in Bassersdorf erstmals für den Kanton Zürich nachgewiesen
  • dazu eine sehr seltene Goldwespe, für die schweizweit erst neun Fundstellen bekannt sind
  • als Zufallsfunde kamen 67 Beobachtungen anderer Gruppen dazu: 13 Wespen-, 19 Schmetterlings-, 4 Heuschrecken-, 6 Käfer- und 2 Reptilienarten

Der Schlussbericht resümiert, dass der Bassersdorfer Siedlungsraum eine vielfältige und charakteristische Wildbienengesellschaft mit etlichen Besonderheiten beherbergt. Auf dieser Grundlage lassen sich nun gezielte Massnahmen für die schützenswertesten Arten erarbeiten.

Warum das Dorf wichtiger wird als das Feld

Im Zeichen der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft sind urbane Räume zum wichtigsten Rückzugsort der Wildbienen geworden. Von keiner heimischen Wildbienenart ist bislang bekannt, dass sie den pestizid- und kunstdüngerarmen, struktur- und blütenreichen Siedlungsraum meiden würde.

Die Bassersdorfer Funde zeigen das exemplarisch: Die Bärtige Sandbiene und ihr Kuckuck, die Netz-Blutbiene, die Weissdorn-Sandbiene und die Zweihöckrige Mauerbiene sind alles Arten, die man eher entlang von Waldrändern erwarten würde.

Bee-Finder: die Funde für Ihre Adresse

Jeder einzelne Wildbienenfund des Bassersdorfer Siedlungsraums wurde in der Webapp Bee-Finder erfasst. Sie liefert zu jeder Wohnadresse eine Liste der schützenswertesten, spezialisierten Wildbienenarten und ihrer Vorlieben bei Nistplatz und Blütenpollen. Gemeinden, Bauherren, Landschaftsarchitektinnen und Privatpersonen können damit wohnortgenau fördern, was tatsächlich vor Ort vorkommt.

Die Webapp ist gratis und selbsterklärend: bee-finder.ch


Wo Sie einheimische Wildstauden und Sträucher beziehen können, steht in unserem Beitrag zu den einheimischen Pflanzen. Ein naturnaher Garten lässt sich ausserdem als Trittsteingarten anmelden.